Als Mutter kümmere ich mich wie selbstverständlich um meine Kinder. Ich sorge dafür, dass es ihnen gut geht und es ihnen an nichts fehlt. Das beginnt bei der bedingungslosen Liebe, die Grundversorgung mit Sauberkeit, Ernährung und Schlaf. Hin zur Förderung, Bewegung und Hobbies. Ich komme also meiner Fürsorgepflicht gegenüber meinen Kindern nach und das tue ich gerne, weil ich meine Kinder liebe. Gleichzeitig kommt es vor, dass mir das nicht gut gelingt, weil ich selbst krank bin und mit einer Grippe im Bett liege. Ich muss mich dann erst um mich selbst kümmern und gesund werden, um meine Kinder wieder genauso gut versorgen zu können, wie zuvor. Also betreibe ich Selbstfürsorge.

Selbstfürsorge umfasst also viele Aspekte und gleichzeitig trägt sie maßgeblich zur Gesundheit bei. Körperlich, sowie mental. Optimalerweise lernt man Selbstfürsorge von den Eltern. Wer mit Gewalt aufgewachsen ist, hat jedoch gelernt, sich selbst als Unwichtig zu betrachten und hat nie gelernt, sich um sich selbst liebevoll zu kümmern. Wenn das auf dich zutrifft, ist es daher wichtig, dass du als erstes Selbstmitgefühl beginnst zu entwickeln, damit du überhaupt erst motiviert genug bist, dich um dich selbst zu kümmern. Dazu habe ich bereits einen Artikel geschrieben, den du hier nachlesen kannst. Es ist nicht notwendig, erst das volle Level der Selbstliebe zu erreichen. Du wirst jedoch vermutlich selbst feststellen, dass dir die Selbstfürsorge immer besser und einfacher gelingt, je mehr du dich selbst magst. Selbstliebe und Selbstfürsorge bedingen einander und gehen Hand in Hand. Auch hier gilt wie immer: Genesung ist ein individueller Prozess.

Was aber kannst du konkret tun?


Das AGIOH-Prinzip

In der Psychologie gibt es das AGIOH-Prinzip, das quasi als Leitfaden für die Selbstfürsorge dient.
Achtsamkeit: Beobachten, ohne zu bewerten und ohne Interpretationen.
Gelassenheit: (oder auch Akzeptanz); sorgt für die innere Balance und reduziert Stress. Einen Artikel zur Akzeptanz findest du hier.
Innenschau: Die eigenen Bedürfnisse erkennen und beachten, sowie Selbstreflektion.
Optimismus: Eine positive Grundeinstellung pflegen.
Handeln: Sich ausprobieren, Selbstwirksamkeit fördern, aus Fehlern lernen.


Glücksmomente sammeln

Negative Erfahrungen bleiben oftmals besser im Gedächtnis, als positive Erfahrungen. Erst recht, in einer mentalen Krise. In meiner Depression war es mir fast unmöglich, positive Erfahrungen zu erkennen und das beförderte die Depression immer weiter. Gerade deshalb ist es unglaublich wichtig, sich positive Momente ins Gedächtnis zu rufen. Das ist nicht gleichbedeutend mit „alles positiv sehen“. Konkrete Beispiele hierfür wären:
– Positives Tagebuch führen
– Dankbarkeits-Tagebuch führen
– Fotoalbum ausschließlich mit schönen Erinnerungen
– Erinnerungsbox mit Gegenständen, die an positive Erinnerungen geknüpft sind


Für Freude sorgen

Spaß und Freude sorgt für ein Wohlbefinden. Es ist wichtig, dass wir uns selbst Freude gönnen. Das dürfen auch Kleinigkeiten sein, wie beispielsweise das positive Fotoalbum betrachten. Aktivitäten, die Spaß machen. Auch Genuss kann etwas sein, das Freude bereitet. Wenn du dich gerade in einer depressiven Episode befindest, wird es dir schwer fallen, Freude zu empfinden. An dieser Stelle versuche vielleicht die Dinge auszuprobieren, die dir einmal Spaß machten. Versuche wirklich mit kleinen Dingen zu beginnen. Es kann dauern, bis die Freude zurück kommt und an dieser Stelle ist Selbstmitgefühl wiederum wichtig. Mach dir das nicht zum Vorwurf und gib dir und deinem Körper die Zeit.

Ein paar konkrete Vorschläge:
– Genießen: Sehen, hören, riechen, schmecken, tasten. Es gibt viele Arten, zu genießen. Ein wohltuendes Duftbad, eine klangvolle Meditation, mit nackten Füßen den Sand spüren, die hübschen Blumen betrachten.
– Musik / Singen
– „Gute Laune Playliste“
– Tanzen
– Meditation
– Comedy
– Museum besuchen
– Lesen
– Theater/ Kino besuchen
– Rätsel lösen
– Dokumentationen schauen
– Spaziergang an schönen Orten
– Picknick im Freien
– Radfahren / Inline Skates
– Boot fahren
– Sauna besuchen
– Schwimmbad
– Zoo besuchen
– Gesellschaftsspiele
– Sich mit Menschen treffen
– Malen / Zeichnen
– Basteln
– Handarbeiten

Und als Geheimtipp: Lachclub.info


Allgemeine Vorschläge zur Selbstfürsorge

– Pausen einlegen
– Warnsignale des Körpers ernst nehmen
– sich Zeit für die Dinge nehmen, nicht hetzen
– genügend schlafen
– sich in Geduld üben
– Selbstmitgefühl
– eigene Erwartungen reduzieren
– Radikale Akzeptanz
– Soziales Netzwerk aufbauen, pflegen und nutzen
– sich Hilfe holen
– Grenzen setzen
– eigene Bedürfnisse achten (eine Bedürfnisliste zum Download findest du hier)


Liebe Grüße
Tanja

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