So habe ich gehört:

Zu jener Zeit kamen Menschen zum Erwachten und klagten:
„Die Arbeit wird mehr. Die Kräfte werden weniger.
Man nennt uns faul, wenn wir ruhen,
und verdächtig, wenn wir krank sind.“

Da sprach der Erwachte:
„Ich sehe zwei Krankheiten unter euch.
Die eine ist die Krankheit des Körpers.
Die andere ist die Krankheit des Geistes.
Und die zweite ist schwerer zu erkennen.“

Der Erwachte fuhr fort:
„Ein Körper, der erschöpft ist, fällt nieder.
Das ist seine Natur.
Wer ihn dafür tadelt, tadelt den Regen für die Nässe.
Doch ein Geist, der nie genug bekommt,
der immer mehr fordert,
der Ruhe für Schwäche hält
und Erschöpfung für Ungehorsam,
dieser Geist ist hungrig,
auch wenn er von Erfolg umgeben ist.“

Da fragte ein Mann mit ernster Stimme:
„Aber Meister, ist Arbeit nicht notwendig?
Müssen wir nicht leisten, um zu bestehen?“

Der Erwachte antwortete:
„Arbeit, die nährt, ist gut.
Arbeit, die verbrennt, ist kein Verdienst.
Wie eine Laute klingt auch das Leben nur dann rein,
wenn die Saiten weder zu locker
noch zu straff gespannt sind.“

Und weiter sprach der Erwachte:
„Wer Krankheit misstraut,
vergrößert das Leiden.
Wer Ruhe bestraft,
sät Angst.
Und aus Angst wächst kein gesundes Handeln.“

Da erhob sich eine Frau und sagte leise:
„Meister, wir schämen uns, wenn wir nicht können.“

Der Erwachte sah sie an und sprach:
„Scham über die eigenen Grenzen
ist eine schwere Last,
die kein Mensch tragen sollte.
Ich sage euch:
Der Wert eines Menschen
wird nicht an der Zahl seiner Tage gemessen,
an denen er nützlich war.
Ein Mensch ist kein Werkzeug.
Ein Mensch ist ein Wesen,
das leidet, fühlt und heil werden will.“

Zum Schluss sprach der Erwachte:
„Eine Gesellschaft, die den Kranken misstraut,
wird selbst krank.
Eine Gesellschaft, die nur Leistung ehrt,
vergisst das Leben.
Darum übt euch im rechten Maß.
Seht das Leiden, bevor ihr rechnet.
Und erinnert euch:
Auch der Weg zur Befreiung
beginnt manchmal mit dem Ausruhen.“

So sprach der Erwachte.
Und einige hörten zu.
Und einige wurden still.
Und einige begannen, anders zu sehen.


Leistungsdruck macht auf Dauer krank. Leider wird aktuell politisch Angst geschürt und äußerst viel Druck auf unserer Gesellschaft ausgeübt. Es ist wichtig, dass wir uns diesen Umstand bewusst machen und gleichzeitig gut für uns selbst sorgen, indem wir das nicht an uns ran lassen. Nicht der, dem Angst gemacht wird, liegt falsch, sondern der, der Druck ausübt, um Kontrolle und Macht zu erhalten.

Diese kleine buddhistische Geschichte (kein original Sutra) soll dabei helfen, seine eigene Haltung zu reflektieren.

Mögest du glücklich sein.
Mögest du gesund sein.
Mögest du sicher sein.

Gruß
Tanja


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