Wer auf einen Therapieplatz wartet oder sich schnelle Hilfe wünscht, stößt im Internet und auf Social Media auf unzählige Angebote. Von Nahrungsergänzungsmitteln über Energieheilung bis hin zu Coachings wird vieles als Lösung für psychische Belastungen beworben. Doch wie seriös sind diese Angebote wirklich?
Für viele alternative Heilmethoden fehlt bislang ein überzeugender wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis bei psychischen Erkrankungen. Manche Verfahren werden dennoch subjektiv als hilfreich erlebt. Problematisch wird es, wenn Heilversprechen gemacht oder notwendige medizinische Behandlungen ersetzt werden. Alternative Heilmethoden und einige Coachings haben oft eine besondere Gemeinsamkeit: Sie kosten viel Geld. An dieser Stelle möchte ich auf den Podcast von Quarks Science Cops hinweisen. Die Moderatoren Jonathan Focke und Maximilian Doeckel befassen sich intensiv mit eben diesen Heilmethoden und gehen diesen auf den Grund. Sie erklären die Funktionsweise der Heilmethoden aus wissenschaftlicher Sicht und analysieren die jeweilige Studienlage. Es wäre Quatsch, jedes Thema hier nochmals genauer zu beleuchten und daher liste ich die bereits von den Science Cops beleuchteten Themen nachfolgend auf, die besonders im Bezug auf psychische Erkrankungen relevant sind.
– Webseite „Zentrum der Gesundheit“
– CBD ÖL
– Nahrungsergänzungsmittel
– Homeöopathie
– Akupunktur
– Bachblüten
– Doterra / Duftöle
– Schüssler Salze
– Reiki Handauflegen
– Healing Humans
Was sind Coachings?
Die Berufsbezeichnung „Coach“ ist rechtlich nicht geschützt und jeder darf sich so nennen. Es gibt keine staatlich anerkannte Ausbildung. Wer therapieren darf, wird im Psychotherapeutengesetz und im Heilpraktikergesetz geregelt. Im psychiatrischen Bereich gibt es die sogenannten „Life-Coaches“, welche unterstützend und beraten im privaten Bereich wirken. Therapieren dürfen sie nur dann, wenn sie eine staatliche Erlaubnis zur Heilkunde nach dem Heilpraktikergesetz haben. Coaching richtet sich grundsätzlich nicht an die Behandlung psychischer Erkrankungen. Sein Schwerpunkt liegt auf persönlicher Entwicklung, Zielerreichung oder beruflichen Fragestellungen. Dennoch gibt es Coaches, die implizieren, heilen zu können, ohne es als solches zu benennen, um sich rechtlich nicht angreifbar zu machen. Problematisch kann Coaching werden, wenn psychische Erkrankungen behandelt werden sollen, ohne dass die dafür notwendige therapeutische Qualifikation vorliegt. Besonders bei Traumafolgestörungen, schweren Depressionen oder akuten Krisen kann das Risiken bergen. Gerade in der psychiatrischen Arbeit wird deutlich, wie wichtig es ist, Gespräche individuell an den Zustand eines Menschen anzupassen. Selbst Fachkräfte arbeiten dabei eng im interdisziplinären Team zusammen. Das zeigt, wie anspruchsvoll die Begleitung psychisch erkrankter Menschen sein kann.
Seriöse Angebote?
Es ist generell immer ratsam, die berufliche Vita des Coaches genauer zu betrachten. Als ich selbst auf der Suche nach Weiterbildungen war, die meine Tätigkeit als Genesungsbegleiter unterstützen, stieß ich auf zahlreiche Weiterbildungsangebote, die zwar AZAV zertifiziert waren, jedoch bei genauerer Betrachtung dennoch sehr unseriös wirkten. Die AZAV Zertifizierung belegt, dass der Anbieter wirtschaftlich arbeitet, ein System zur Qualitätssicherung hat und qualifiziertes Personal einsetzt. Es sagt nicht aus, ob der Inhalt der Ausbildung wissenschaftlich geprüft ist oder nicht. Es sind lediglich externe fachkundige Stellen notwendig. An der Stelle empfehle ich nochmal den Podcast von den Quarks Science Cops, denn hier wird deutlich, dass auch eine „fachkundige Stelle“ alles mögliche sein kann. Es ist also nicht einfach, einen wirklich seriösen Coach zu finden.
Auch die Berufsbezeichnung „Psychologische Berater“ ist nicht geschützt ist und es darf sich jeder so benennen. Es gibt zahlreiche Qualifikationen zum psychologischen Berater. Gleichzeitig sind diese Qualifikationen nicht einheitlich geregelt. Obwohl es sich hier um eine beratende Tätigkeit handelt, sind nicht in allen Ausbildungen Praktika verpflichtend, was jedoch ein wichtiger Bestandteil eines seriösen Ausbildungsanbieters ist.
Unseriöse Coaches versprechen indirekt Heilung und schrecken nicht vor psychischen Erkrankungen zurück, trotz fehlender therapeutischer Ausbildung.
Mein Rat an euch
Mein Rat ist nicht, grundsätzlich auf jedes Coaching oder jede alternative Methode zu verzichten. Sondern kritisch zu prüfen, welche Qualifikation hinter einem Angebot steht, ob wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden und ob unrealistische Heilversprechen gemacht werden. Gerade wenn eine psychische Erkrankung vorliegt, sollte professionelle medizinische oder psychotherapeutische Unterstützung immer die Grundlage sein. Wenn ihr euch unsicher seid, ob die Qualifikation des Coaches seriös ist, könnt ihr euch an den Verband psychologischer Berater e.V. wenden, an den Berufsverband deutscher Psychologen oder an den Verbraucherschutz. Auf der Webseite des Berufsverbandes deutscher Psychologen ist zudem eine Liste anerkannter und nicht anerkannter Studiengänge einsehbar, was ebenfalls Rückschlüsse auf die Seriosität der Anbieter rückschließen lässt.
Liebe Grüße
Tanja
Quellen:
– Als Coach selbstständig machen – Rechtliches | eRecht24
– Life-Coaching und Selbstoptimierung: Trend auf dem Prüfstand
– Was bedeutet AZAV? Informationen und Erklärungen
– Verband psychologischer Berater e.V.
